Die halbe Regierung der Bundesrepublik ist zu Konsultationen nach Rom gereist, woraus hiesige Zeitungen sogleich Schlagzeilen dieser Art buken: »Merz und Meloni – eine neue Achse in der EU?« (Handelsblatt), »Macron war gestern, Merz setzt jetzt auf Meloni« (SZ). Für das Land ungewöhnlich genug, amtiert die Regierung Meloni seit rekordverdächtigen dreieinhalb Jahren, und international stört sich niemand ernsthaft daran, welches Personal welcher faschistischen Provenienz da regiert, schließlich gab es an der NATO-Treue dieser Mannschaft nie den geringsten Zweifel. Und das bisschen Flüchtlingsabwehr und Einschränkung der Meinungsfreiheit von Mailand bis Palermo wird ja mittlerweile auch zwischen Rhein und Oder erfolgreich praktiziert. So blickt man von Berlin auf Paris beziehungsweise Rom. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass eine zusehends dysfunktionale EU vermutlich nie der politische Player sein wird, der ihrer Wirtschaftsgröße entspricht.
Source: Die Welt January 23, 2026 19:52 UTC