Wer Wolfgang Amadé Mozarts „La clemenza di Tito“ auf die Bühne bringt, kann nur schwer der Versuchung widerstehen, sie tagespolitisch aufzuladen. Dieser Versuchung ist Jan Lauwers in seiner Neuinszenierung an der Wiener Staatsoper nicht erlegen. Daher hat Lauwers, der in Wien schon mit Monteverdis „Poppea“ und Ligetis „Le Grand Macabre“ große Erfolge verbuchen konnte, in seiner Regie auf alle tagespolitischen Querverweise verzichtet. Dass die Wiener Staatsoper, die für ihr Mozart-Ensemble der Nachkriegszeit einst weltberühmt war, sich aktuell schwertut, eine Mozart-Premiere angemessen zu besetzen, stimmt mehr als nachdenklich. Von den Seelenqualen des Titus aber, die einst Werner Hollweg oder später Michael Schade so unnachahmlich deutlich machten, spürt man bei ihm nichts.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung March 12, 2026 11:12 UTC