Als nach dem Ersten Weltkrieg Frauen auf der ganzen Welt sich ihre Haare kurz schneiden ließen, war das eine Befreiung, die wie ein Kulturschock wirkte. Der Haarschnitt, in dem sich ein neues weibliches Selbstbewusstsein ausdrückte, löste erregte Debatten aus, er wurde gefeiert, verspottet und bekämpft. Die Begründung lautete: „Arisch ist der Zopf, jüdisch ist der Bubikopf.“Die Kurzhaarfrisur sprengte Traditionen, das machte sie anrüchig. Nicht allein der Bubikopf brachte die Gemüter auf, er verband sich mit einem Kleidungsstil, der Geschlechtergrenzen überwand. Lebarde verstand den Bubikopf als Königsdisziplin seines Metiers, weil er ein „besonders gründliches Eingehen auf die Individualität der Frau“ verlange.
Source: Der Tagesspiegel August 17, 2021 15:00 UTC