Diese Frage steht im Hintergrund aller Überlegungen des syrischen Historikers Aziz Al-Azmeh, ohne dass er eine definierte Antwort darauf gibt. Es existiert weltweit ein offensichtlich unverrückbares, ahistorisches Islambild, das besagt, diese Religion sei rückständig, traditionsbehaftet, statisch, aggressiv, intolerant und frauenfeindlich. Dass die genannten Klischees auch ihre Berechtigung haben, bestreitet Aziz Al-Azmeh nicht. Der Kompromiss der Reformer, der eingegangen wurde, um nicht von der islamischen Orthodoxie an den Rand gedrängt zu werden, lautete: Religion ist die Welt, die Welt ist Religion. Aziz Al-Azmeh zeigt in seinem Sammelband oftmals ausgeblendete und unterschätzte Verbindungen zwischen westlicher Moderne – hinter die man nicht zurückgehen könne – und notwendigem Wissen über eine Religion »neben uns«.
Source: Junge Welt January 15, 2026 18:53 UTC