Frank Wedekind beschreibt einen Frühling, der nichts mit Kästners »Mozart des Kalenders«, Tulpen aus Amsterdam oder blühenden Bäumen im Prater gemein hat; für die Protagonisten seiner Kindertragödie, so der Untertitel, ist das Neue verwirrend und geprägt von Ungerechtigkeiten und Angst, also zeitlos bis hochaktuell. Die Story aus dem prüden wilhelminischen Deutschland wurde zum Rockmusical »Spring Awakening«, ausgezeichnet unter anderem mit acht Tony Awards. Dabei ist die Musik recht durchschnittlich, ohne erkennbares Hitpotential, trotzdem hat die Wiener Volksoper mit »Spring Awakening« ein sehr glückliches Händchen bewiesen. Ich war sicher nicht die Einzige im Publikum, die solch eine Situation überlebt hat, und genau hier liegt Wedekinds Kraft. Im Gegensatz zu Wedekinds Vorlage gibt es bei »Spring Awakening« ein etwas pathetisches, fröhliches Ende, das jubelnde Ovationen am Schluss erlaubt.
Source: Junge Welt March 29, 2026 17:43 UTC