Es ist Donnerstagabend in Paris. Die franko-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani hastet mit Bücherstapeln unter beiden Armen in die Hotelbar, entschuldigt sich, die Sitzung bei ihrem Verleger habe länger gedauert als erwartet. Sie habe Milan Kunderas Platz eingenommen, sagt sie stolz und spricht erst einmal über ihr neues Zuhause in Lissabon, bis wir zum eigentlichen Thema kommen: ihrem neuen Roman. „Trag das Feuer weiter“ ist der letzte Band ihrer vor knapp sechs Jahren begonnenen Trilogie, einer an die Geschichte ihrer eigenen Familie angelehnten Familiensaga, die das Schicksal von drei Generationen erzählt, von 1945 bis heute, zerrissen zwischen Frankreich und Marokko. Es geht um Kolonialherrschaft und Unabhängigkeit, Freiheitsdrang und den Wunsch nach Zugehörigkeit, Tradition und Modernisierung, große Träume und Ideale, die zu Asche werden.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung January 11, 2026 16:27 UTC