Was darf man eigentlich erwarten vom Konzert einer Band, die nicht nur für ihre besonders intensiven Live-Performances, sondern auch für eine konsequente Verweigerungshaltung berüchtigt ist? Seit 30 Jahren gibt es sie und seit genauso langer Zeit existiert die Kreuzberger Band Mutter im Unterbau der hiesigen Musiklandschaft. Bildete Letzteres bei den Velvets noch den krönenden Albumabschluss, so ist das hypnotische Proto-Krautrock-Geschrammel des Openers „Glauben nicht wissen“ erst der Anfang. „Er erzählte die Geschicht’, die du dir anhörst und irgendetwas stimmt immer nicht darin“, heißt es in „So bist du“. Und das ist es, was Mutter tatsächlich ziemlich einzigartig in einer etwas drögen deutschen Musiklandschaft macht und bis zum Ende des Abends kalte Hände schwitzen lässt.
Source: Der Tagesspiegel May 01, 2017 16:48 UTC