Weber hatte ihre Namensvetterin Anne, oder Annette, Beaumanoir vor drei oder vier Jahren eher zufällig in der Kleinstadt Dieulefit kennengelernt, wo die ehemalige Fachärztin für Neurologie ihren Lebensabend verbringt – »alleine, klein und krumm. Die Sympathie, die aus diesen Zitaten spricht, durchzieht das Buch vom agnostischen Beginn: »Sie glaubt nicht an Gott, aber er an sie. Trotz der Euphorie, die Weber beim Schreiben beflügelt hat, ist ihr »Heldinnenepos« eine herbe Enttäuschung. Die triefende Ironie, die das Heldinnenepos zu einer Travestie verkehrt, verlässt sie nur an jenen Stellen, an denen ihr ererbtes politisches Ressentiment durchschimmert, das sich an Albert Camus’ »Der Mensch in der Revolte« anlehnt und ihm doch nicht gerecht wird. »Camus war friedlich; Annette war es nicht.
Source: Junge Welt October 26, 2020 18:22 UTC