Dabei scheint es auf den ersten Blick, als würde sich die tiefgraue Wolkendecke über dem Alten Kontinent allmählich lichten: wirtschaftlicher Aufschwung, rückläufige Flüchtlingszahlen, Europa-Enthusiasmus im Élysée-Palast. Doch an anderer Stelle braut sich ein Gewitter zusammen, das die EU in ihren Grundfesten zu erschüttern droht. Vor allem an der Frage der Migration scheiden sich die Geister. In einer „EU 2.0“, in der die Integrationswilligsten den Takt vorgeben, fürchten Mittel- und Osteuropäer, endgültig den Anschluss zu verlieren. Andererseits: Zwangsmaßnahmen gegen Warschau, etwa die Kürzung von EU-Fördergeldern, für die sich mancher Nettozahler angesichts Brexit-geschröpfter EU-Kassen durchaus erwärmen könnte, würden die innereuropäische Spaltung nur weiter vertiefen.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung January 17, 2018 10:41 UTC