Digitale DemenzDer Begriff „digitale Demenz“ tauchte erstmals 2007 in der Korea Times auf, als Befragungen der 20-30-jährigen mit hoher Mediennutzung veröffentlicht wurden. In seinem Bestseller „Digitale Demenz- wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“ warnt er vor Vereinsamung, Verfettung und Verblödung, herbeigeführt durch die digitalen Medien. Der Begriff Demenz, den Spitzer irritierenderweise sowohl für eine erhöhte Alzheimerwahrscheinlichkeit am Lebensende als auch für dysfunktionales Verhalten und Depressionen im Jugendalter verwendet, wird ähnlich inflationär gebraucht wie das unumstößliche Postulat „ES GEHT UM UNSERE KINDER!“. Zudem sei der Begriff der Demenz ungeeignet, schließlich versteht man darunter in der Medizin einen krankhaften Verlust kognitiver Fähigkeiten, der durch sämtliche Prozesse wie Tumore, Intoxikationen oder Blutungen ausgelöst werden kann. Keiner der Kernbegriffe, egal ob „Demenz“ oder „Intelligenz“ sind klar definiert, unter „Mediennutzung“ etwa fallen komplett undifferenziert Diskussionen in Onlineforen, Egoshootergames, das Lesen von Zeitungsartikeln, die eigene Musikproduktion, Pornokonsum und Literaturrecherche.
Source: Suddeutsche Zeitung July 16, 2022 14:19 UTC