Vom Mann wird vorgestellt, was die politische Öffentlichkeit der Bundesrepublik gern selbst zu sein vorgibt: kritisch, aufgeklärt, optimistisch. Habermas ist tot, und was er intellektuell wie normativ repräsentierte, ist es inzwischen auch – zerschellt an den Realitäten und Dynamiken des Staatenwettkampfs in der Arena des kapitalistischen Weltmarkts, den zeitweilig mit dem Terminus »Weltinnenpolitik« für beendet zu erklären Habermas nicht zu bescheiden war. »Der Meister ist tot«, er, der »weltweit als führender politischer Denker gesehen wurde – als Denker einer Demokratie, die auf gegenseitiger Rechtfertigung und Teilhabe beruht«, schreibt wiederum die Süddeutsche Zeitung. »Eigentlich ganz einfach: Man muss es trotzdem versuchen.« Und damit ist ein philosophisches Oeuvre auf eine Poesiealbumweisheit eingedampft. Dort hatte der junge Habermas 1953 mit seiner Kritik an Heidegger zugleich die gesellschaftlichen Zustände der postfaschistischen Bundesrepublik kritisiert.
Source: Junge Welt March 16, 2026 19:10 UTC