(SZ) Willy Brandt sprach, wenn er die Wählerinnen und Wähler meinte, von den „Menschen draußen im Lande“. Von seinem Wohnhaus auf dem Bonner Venusberg aus mochten diese Menschen in einer märchenhaften Ferne gewohnt haben, ein bisschen wie die sieben Zwerge, die ja hinter den sieben Bergen hausten. Die Formel wurde dem einstigen Kanzler der Herzen gelegentlich übel genommen, weil in ihr die womöglich allzu große Distanz zwischen Regierenden und Regierten Ausdruck fand. Aber Willy Brandt meinte es eigentlich gut mit seiner Anrede, und im Grunde lag er damit auch gar nicht so falsch. In Berlin sind die Menschen inzwischen in einer Weise draußen im Lande, die deutlicher mit dem Gefühl des Draußenseins auf dem Duzfuß steht und weniger mit dem Menschsein im Lande in Verbindung gebracht wird.
Source: Suddeutsche Zeitung March 23, 2026 13:37 UTC