Die Lektüre der Glossen, Reportagen und Essays, die Schultz-Gerstein zwischen 1974 und 1987 verfasst hat, öffnet uns eine Welt, die heute sehr weit entfernt erscheint. Dass die Texte von Schultz-Gerstein damals gelesen wurden, zeigte sich dann, wenn er die Säulenheiligen des linksliberalen Feuilletons jener Jahre kritisierte. Hier liefert Schultz-Gerstein die Beschreibung einer sich nach rechts wendenden liberalen Kulturelite, die ihren Abschied von Kritischer Theorie und Frankfurter Schule nahm. Dass Schultz-Gerstein sehr früh das reaktionäre Potenzial erkannte, das in diesem kulturpolitischen Umschlag steckte, schuf ihm Gegner, ja Feinde. Seine wieder aufgelegten Texte lesen sich nicht nur überwiegend gut, sie sind auch Diagramme einer heute verschütteten Welt.
Source: Die Welt January 02, 2022 18:08 UTC