Viel Lärm um nichtsAdrian Daub ist Professor für Literaturgeschichte in Stanford, und das erweist sich für sein Buch »Cancel Culture Transfer. Dass es »woken« Aktivismus gibt, bestreitet Daub nicht; was er feststellt, ist das völlige »Missverhältnis von Problem und Aufmerksamkeit«. Die Literatursoziologin Carolin Amlinger und der Soziologe Oliver Nachtwey, beide von der Universität Basel, unternehmen es in ihrem Buch »Gekränkte Freiheit. Die Lektüre Daubs ist da unterhaltsamer, schon, weil man über die Genese der Rede von der Cancel Culture – ursprünglich war canceln in Online-Fan-Foren ein ausdrücklich persönlicher, falls nicht ironischer Boykott – viel weniger weiß als über die ewig junge Dialektik der Aufklärung. Die hat es natürlich nötig und ist viel eher in Beweisnot einer Wissenschaft, die von rechts allemal bedrohter ist als von links.
Source: Junge Welt December 18, 2022 18:40 UTC