In diesem Interview spricht die Journalistin Susann Witt-Stahl, Chefredakteurin des Kulturmagazins Melodie & Rhythmus, über die Ereignisse in Leipzig-Connewitz und widerspricht der medialen Darstellung eines »Linke gegen Linke«-Konflikts. Im Mittelpunkt steht ihre Analyse der sogenannten antideutschen Bewegung, die sie nicht mehr als Teil der linken Tradition betrachtet. Witt-Stahl beschreibt die Entwicklung dieser Strömung seit 1989/90 als ideologische Wende: vom antiimperialistischen Anspruch hin zu einer Orientierung an westlicher Außenpolitik, deutscher Staatsräson und bedingungsloser Israel-Solidarität. Historische Wegmarken seien der Golfkrieg 1991 und der »War on Terror« ab 2001. Vor diesem Hintergrund versteht Witt-Stahl die aktuellen Auseinandersetzungen nicht als innerlinke Differenz, sondern als Ausdruck eines tieferen ideologischen Bruchs mit antikapitalistischen und antiimperialistischen Positionen in Deutschland.
Source: Junge Welt February 19, 2026 16:32 UTC